Interview Thilo Schotte

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Thilo Schotte

Executive Vice President, BBDO Worldwide

Sie verantworten seit dem Jahr 2007 weltweit den Kunden Daimler bei der BBDO – Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gemacht, wie sich die Anforderungen und Herausforderungen für Marketeers gewandelt haben?

Es gibt keine abrupten Diskontinuitäten, eher kontinuierliche Entwicklungen: Die Anforderungen werden immer internationaler und vernetzter über die Disziplinen und Instrumente hinweg, mit dem Ergebnis das heute eine deutliche Verschiebung von mehr klassischen Marketinginstrumenten hin zu digitalen und interaktiven zu erkennen ist. Aber ich würde deswegen nicht von einem Paradigmenshift in diesem Zeitraum sprechen.

Zu Ihrem Zitat: „Movements lassen sich planen – zentrale Rolle spielen dabei die Marketeers!“ – Wie lassen sich Ihrer Meinung nach Movements und gesellschaftliche Bewegungen von Unternehmen planen und wieso genau spielen Marketeers hier so eine zentrale Rolle?

Das Entscheidende an einem solchen Movement ist der Cause dahinter – also das Anliegen, das ich vertrete und mit dem ich mich an die Welt wende. Dieses Anliegen zu erkennen, herauszuarbeiten und zu vermitteln ist natürlich eine menschliche Aufgabe, die Aufgabe des Marketeers. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass er selbst an das Anliegen glauben muss, authentische Überzeugung ausstrahlen können. Nur in eine Rolle zu schlüpfen, genügt nicht.

Welche Fähigkeiten sollten Marketeers heutzutage besitzen, um erfolgreich potentielle Kunden an ihre Marke zu fesseln?

Im Kontext eines Movements ist ein wesentlicher Aspekt Charisma – die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen und zu begeistern. Des Weiteren sollten Marketeers vor allem in der Lage sein, komplexe Probleme auf die Essenz zu reduzieren. In einer zunehmend komplexen Welt ist das ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Was ist für Studenten die beste Vorbereitung auf ihr Berufsleben im Marketing?

Wenn ich zurückblicke auf mein eigenes Studium, dann hat mich wahrscheinlich mein Jahr als Nationaler Vorsitzender bei MTP nachhaltiger auf mein Berufsleben vorbereitet als die vier Jahre BWL-Studium.

Ein Statement von Ihnen zum allgemeinen Thema der „Marketing Horizonte 2015“ – Welche Position sollte Marketing in Zukunft in Unternehmen einnehmen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass Marketing eine Führungsposition innehaben muss. Es gibt viele erfolgreiche Beispiele, bei denen das der Fall ist: erfolgreiche Unternehmen. Nehmen wir als Beispiel Apple. Keiner würde bestreiten, dass der Erfolg von Apple ein Marketingerfolg ist. Dieser Erfolg hat aber wenig damit zu tun, dass sie besonders gute Werbung machen, sondern primär damit, dass sie verstehen, was es bedeutet, kundenzentrierte Produkte zu entwickeln und in den Menschen eine fast schon religiöse Leidenschaft für das Produkt zu wecken.

Damit Marketeers eine Führungsrolle im Unternehmen übernehmen können ist aus meiner Sicht zunehmend vernetztes Denken erforderlich. Das bedeutet, Marketing nicht zu eng betrachten und zum Beispiel auf das Bespielen von Kommunikationskanälen zu reduzieren. Der Marketeer muss in der Lage sein, kundenzentriert zu denken und unterschiedlichste Einflüsse zu verstehen, die das Kundenverhalten beeinflussen.

Sie sind selbst Mitglied bei MTP seit Ihrer Studienzeit und haben die erste Marketing Horizonte mit ins Leben gerufen. Was wollten Sie mit diesem Kongress für den Verein erreichen und was sind Ihre Erwartungen von der jetzigen „Marketing Horizonte 2015“?

MTP fand damals an den einzelnen Universitäten statt und für jede Universität war es eigentlich ein eigener Verein. Es gab das Netzwerk aus 14 MTP-Standorten Deutschland, aber ein Nutzen daraus war für unsere Zielgruppen kaum erkennbar. Wir haben Kosten verursacht, indem wir zwischen den einzelnen Büros hin und her gereist – GSV, VSV, Seminarleitertreffen etc. – aber da waren die Geschäftsstellen eher mit sich selbst beschäftigt. Für die Studenten, die Professoren und die Unternehmen war diese nationale Vernetzung überhaupt nicht sichtbar und bot kaum einen Mehrwert.

Das war die Plattform, auf der damals die Marketing Horizonte geboren wurde. Sie bestand in der ursprünglichen Idee daraus, dass auf diesem Kongress alle 14 Standorte zusammenkommen und jeder Standort bringt sich ein: jede Geschäftsstelle macht eine Veranstaltung auf der MH. Wir wollten für die Studenten, für die Universitäten und für die Firmen den Verein MTP als deutschlandweite vernetzte Organisation erlebbar machen.

Für die Veranstaltung selbst ist es wichtig, dass MTP selbst einen Beitrag leistet für einen thematischen Diskurs. Das heißt für den Verein: nicht nur eine Plattform bieten, sondern selber auch Teil der Diskussion sein. MTP muss eine Meinung haben, Profil zeigen. Wenn MTP Studenten dahingehend ausbildet, dass sie nicht nur etwas organisieren zu können, sondern eben auch einen wetterfesten Standpunkt zu haben, dann ist und bleibt MTP relevant.

Ich habe damals gesagt, MTP als Marke deutschlandweit erlebbar machen. Das war 1993. Heute sind wir nun 22 Jahre weiter und wir sprechen immer noch von ‚deutschlandweit’. Das ist die Reichweite, die wir zu bieten haben. Die Welt ist heute aber eine andere. Und was ich mir also über die jetzigen Marketing Horizonte hinaus wünsche, ist, dass MTP endlich ein europaweites – besser noch weltweites – Netzwerk wird.

Dieses Interview wurde geführt von Benita Ruhmöller.